Bilder-Welt.net Gefährdung der Landschaft und der Arten

Gefährdung der Landschaft und der Arten

 

Das Wirken des Menschen in moderner Manier bringt eine nicht zu unterschätzende Gefahr für jene Lebewesen mit sich, die gemeinsam mit uns Menschen diese Erde bevölkern. Die Ursachen sind vielfältig und teils unnütz bzw. ohne Einschnitte in unsere Lebensqualität abstellbar. Dennoch geht der Wahnsinn weiter.
Zu den vielfältigen Gefährdungen speziell in Deutschland gibt es einige substanzhafte Texte, von denen hier zwei zitiert werden sollen.


Forstwirtschaft
Die aktuell noch weitgehend von Altersklassennutzung geprägten Forsten gefährden Arten vor allem durch kurze Umtriebszeiten, flächige Kahlschläge, Förderung der Fichte und anderer Nadelbaumkulturen sowie generell nicht der am Standort natürlicherweise zu erwartenden Gehölzgesellschaften, die Verhinderung des Entstehens alter Sukzessionsstadien sowie von Alt- und Totholz der verschiedenen Qualitäten (ein gerade für viele Wirbellose, insbesondere Käfer, ganz gravierender Mangelfaktor).
Aufgabe historischer Nutzungsformen (Nieder- und Mittelwäldern), Aufforstung und randliche Beeinträchtigung von Mooren, Heiden, Feucht- und Waldwiesen sowie Gewässerbiotopen. Verglichen sowohl mit natürlichen Urwaldstrukturen als auch mit Formen der naturnahen Waldwirtschaft bewirkt die Altersklassennutzung eine starke Strukturverarmung in horizontaler und vertikaler Dimension.

Wasserwirtschaft
Wasserwirtschaftliche Maßnahmen mit den Zielen der Trockenlegung feuchter und nasser Biotoptypen zwecks Nutzung sowie raschem Abfluss in Fließgewässern bewirkten in der Vergangenheit massive Biotop- und Strukturverluste. Fließgewässer wurden begradigt und ihre Ufer befestigt, größere Flüsse eingedeicht und von ihren Retentionsflächen abgeschnitten, Auenwälder und Altwässer sowie andere begleitende Feuchtbiotope weitgehend zerstört. Querverbauungen, Stauhaltungen, Wasserentnahmen und Kraftwerksturbinen – sämtlich hauptsächlich im Zusammenhang mit Wasserkraftnutzung zur Energiegewinnung – bewirken Isolation, veränderte Gewässereigenschaften und Individuenverluste. Weitere Gefährdungsfaktoren bilden Verrohrung, Verbau von Gräben sowie übermäßige Grabenräumungen.

Hinter den Gefährdungen stehen Zahlen, die erschrecken: 8,9% der Arten sind bereits ausgestorben, 12,1% sind direkte Anwärter dieses Schicksals. Weitere 33,8% sind mäßig bis stark gefährdet, davon 6,0% durch Seltenheit. Zusammengefasst sind also 54,8% der Arten ausgelöscht oder gefährdet – mehr als die Hälfte!

Quelle: Die Roten Listen: gefährdete Pflanzen, Tiere, Pflanzengesellschaften und Biotope in Bund und Ländern.
Dr. Eckhard Jedicke; Ulmer-Verlag 1997, ISBN 3-8001-3353-9

Dieses Sterben geht langsam und lautlos vor sich, von nur ganz wenigen bemerkt. Es ist ein Alarmsignal der Natur, dessen direkt Auswirkungen auch auf den Menschen kaum absehbar sind.
Der Ast, auf dem wir sitzen und an dem wir unverdrossen sägen – er schwankt schon gefährlich.
Naturschutz - wohin?

Der "Gordische Knoten" im Naturschutz, den noch keiner befriedigend gelöst hat, lautet: "Wie ist die Natur-Entfremdung des Menschen aufzuhalten" im Kontext zu "Wie viel Mensch kann der Rest-Natur zugemutet werden?" Augenblicklich ist die Lage so, dass der Natur der wirtschaftende Mensch total und der Naturfreund-Mensch nicht zugemutet wird. Ein Beispiel: Der großflächige Abbau letzter Moorlandschaften durch Torfstecherei (z.B. im Großen Grambower Moor) ist rechtens, das Betreten und Fotografieren des Moors hingegen verboten. Schließlich ist das Moor trittempfindlich! Weiteres Beispiel: katastrophaler Holz-Einschlag in Wald-Naturschutzgebieten ist rechtens, das Betreten der Flächen hingegen verboten. Tiere könnten gestört werden. Nicht Wenige haben den Eindruck, es ginge prioritär darum, dass keiner sehen soll, was so geschieht. Neben den erlaubten Unsäglichkeiten gibt es auch allerlei unerlaubte, die die unartigen Naturfreunde, die die Flächen, welch Schandtat, einfach so betreten, mitbekommen. Und mitunter den Behörden zur Last fallen, wenn sie diese zur Anzeige bringen. Als da wären beispielsweise:

-Tierkadaver-Entsorgung (verendete Rinder) im rechtskräftig ausgewiesenen Naturschutz- und FFH-Gebiet
-Giftmüll-Entsorgung in einem Weiden-Auenwald direkt neben der Elbe, nur knapp 200m vom internationalen Elbe-Radweg entfernt
-Durchforstungs-Arbeiten im Wald-Naturschutzgebiet, Schutzzone I Totalreservat
-als Femelhieb beantragter und genehmigter, als Kahlschlag durchgeführter Raubbau an Wald-Naturschutzgebieten
-Total-Vernichtung von FFH-Biotopen (Quellgebiet, Alteichenbestand) von einem zertifizierten Öko-Landwirtschaftsbetrieb
-Wiesen-Umbruch und Entwässerung von Sumpfland in einem FFH-Gebiet
-Umbruch von Waldwiesen zur Anlage von Wildacker, mit massiver Ausbringung von Stallmist (war vorher Moorwiese mit Wollgras und Sonnentau)
-Gülle-Entsorgung in die Elbe bei Hochwasser
-Gülle-Entsorgung in Auen-Grünland im FFH-Gebiet (Gülle steht kniehoch und stinkt zum Himmel - wochenlang!)
-Gülle-Entsorgung durch einen kleinen, heimlichen Graben in den Vorfluter (Bach) hinein, dieser ist als FFH-Gebiet geschützt

Die Qualität von hauptamtlich durchgeführten Kartierungs-Arbeiten, ohnehin schon auf historisch niedrigem Qualitätsstand, ist so katastrophal, dass sie oftmals kaum brauchbar sind. Die Behörden, personell und finanziell hoffnungslos kaltgestellt, brauchen händeringend den ehrenamtlichen Naturschutz. Dort sind die fähigen Spezialisten zu finden, die ordentliche Erfassungen erstellen. Und unartig sind, da sie einfach so Schutzgebiete betreten. Ganz besonders zu Sündenböcken abgestempelt werden derzeit Fotografen: sie würden sich vor den Motiven (z.B. Pflanzen) auf den Bauch legen und so alles plattdrücken. Dass in Zeiten der Klapp-Monitore keiner herumliegt, interessiert nicht. Und dass es sich dabei um Naturfreunde handelt, die, von ganz wenigen Ausnahmen einmal abgesehen, Flurschäden als Selbverständlichkeit vermeiden, wird ebenfalls ignoriert. Alles was nicht ins Klischee vom bösen Fotografen passt, wird eben ignoriert.
Es kracht gewaltig im Naturschutz-Getriebe! Die Fuhre rollt, angeschoben und am Laufen gehalten genau von den Unartigen! Aber der richtige Gang ist noch nicht drin - da kann man nur auf die Europäische Naturschutz-Politik hoffen. Und der "Gordische Knoten"? Hier mein lange durchdachter Lösungsvorschlag in 4 Schritten:

1. Exorbitant wertvolle Schutzgebiete, auf denen wirtschaftliche Begehrlichkeiten lasten (z.B. die unstillbare forstwirtschaftliche Gier auf Laubholz), werden zur Schutzzone I hochgestuft.
2. Das Nutzungs-Verbot der Schutzzone I wird nicht nur verordnet, sondern auch durchgesetzt.
3. Das Betretungs-Verbot wird für aktive Mitglieder von Naturschutz-Verbänden oder andersartigen Verbänden gleicher Zielstellungen (z.B. Bürgerbewegungen mit Naturschutz-Anliegen) aufgehoben. Man darf von Naturfreunden erwarten, dass sie sich freiwillig auf schonende Gangarten beschränken und Flurschäden weitestgehend vermeiden. Und es ist der Realität geschuldet, dass Naturfreunde sich ohnehin nicht aussperren lassen.
4. Aufgelaufene Beobachtungen werden in Schutzkonzepte eingebunden, es wird ein Naturschutz nicht gegen den Menschen verhängt, sondern mit den Menschen betrieben: nur was man kennt, kann man lieben; nur was man liebt, wird man schützen!

Leichte Wanderschuhe statt malmender Harvester, klickende Kameras statt kreischender Motorsägen - das ist der richtige Weg!

Zuletzt sei noch darauf hingewiesen, dass die hier gemachten Aussagen nicht auf Vermutungen oder Hörensagen beruhen, sondern auf eigenen Beobachtungen. Gemacht im Rahmen langjähriger Kartierungs-Arbeiten, überwiegend hauptamtlich.