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Felsfluren und Trockenbiotope

Dort, wo die Niederschläge bzw. die Feuchtigkeit des Bodens ein bestimmtes Mindestmaß unterschreiten, bilden sich Trockenbiotope. Besonders ausgeprägt ist das auch bei den Felsfluren, deren oft nur wenige Zentimeter starke „Bodenschicht“ aus Felsgrus kaum Wasser zu speichern vermag.
Trockenbiotope werden von Pflanzen besiedelt, deren „Leidensfähigkeit“ im Bezug auf Wasser bemer-kenswert ist. Mit kleinen Blättern, ausgeprägter Behaarung oder Wachsschichten verringern sie die Verdunstung höchst effektiv. Die Wurzeln sind oft stark entwickelt und enthalten Speicherorgane wie Knollen oder Zwiebeln. Die Wiesen-Kuhschelle beispielsweise ist kaum 40cm groß, aber die Wurzeln reichen über 2m tief in den Boden.
Östlich des Harzes in dessen Regenschatten liegt das Mitteldeutsche Trockengebiet. Die Jahres-Niederschlagssumme beträgt hier lediglich ~450mm, das sind nur 65% der „normalen“ Niederschläge ausgewogenerer Landschaften. „Glanzstücke“ von Trockenbiotopen sind die Porphyrkuppen-Landschaft nordwestlich von Halle mit dem malerischen Saaletal und die Hänge am Süßen und Salzigen See.
Außerhalb des Mitteldeutschen Trockengebietes sind Trockenbiotope generell seltener und an bestimmte Geologische Formationen gebunden. Typisch sind Binnendünen und die Ränder der Talsand-Terrassen. Besonders in wärmebegünstigten Südlagen sind auch hier Trockenbiotope anzutreffen.
Es ist ein Phänomen, das die extremsten Biotope mit einer Fülle attraktiver Pflanzen aufwarten. Das ist bei den Trockenbiotopen ganz besonders ausgeprägt. Viele Pflanzen unserer Steingärten haben hier ihren natürlichen Ursprung. Wenn der Boden Kalk und Lehm enthält und somit eine gewisse Wasser-Haltekraft aufweist, sind auch Orchideen anzutreffen.
Trockenbiotope sind der große Gewinner des Klimawandels. Schon heute sind sie im Vormarsch und weisen zunehmend Strukturen von Steppen auf. Einige Orchideenarten der Steppenrasen haben Bestands-zuwächse, dass sie aus der Roten Liste gestrichen werden konnten. Deutschland „wandert“ gewisser-maßen, zumindestens auf das Klima bezogen, gen Süden. Griechische Verhältnisse in Mitteldeutschland sind bereits ganz normal.
Trotz klimatischer Förderung sind viele Trockenbiotope einer heimlichen Bedrohung ausgesetzt. Es ist der Eintrag von Nährstoffen, wissenschaftlich Eutrophierung genannt. Quelle der Nährstoffe ist die Düngung angrenzender Äcker. Auf den eutrophierten Flächen breiten sich bestimmte Gräser und Gestrüpp aus, wodurch die angestammten Arten verdrängt werden. Die wertvollen Areale schrumpfen von den Rändern her und können schließlich ganz verschwinden. Auch die Ausbreitung von Gehölzen (Dorn-sträucher/Trockengebüsch) wird durch die Eutrophierung begünstigt. Dramatische Züge nimmt diese Entwicklung dann an, wenn mittels Beweidung oder Mahd bewirtschaftete Flächen aufgelassen werden. Sie können sich binnen weniger Jahre völlig verändern und jeglichen Wert verlieren!
Botaniker und Pflanzen-Soziologen beobachten im mitteldeutschen Trockengebiet die Veränderungen genau und mit wissenschaftlicher Exaktheit. Noch ist die Zukunft der Trockenbiotope unklar – Vorhersagen tragen spekulativen Charakter. Förderung und Schädigung wirken gleichermaßen.

 

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